Kammmolch (Triturus cristatus)


Beschreibung
  • großer, kräftiger Wassermolch mit breitem Kopf
  • Männchen 10 cm - 18 cm, Weibchen 11 cm - 20 cm
  • Oberseite grauschwarz, mit undeutlichen dunkleren Punkten oder Flecken
  • Haut leicht warzig gekörnelt
  • Flanken im Übergang zur Bauchseite intensiv weißlich granuliert
  • dunkle, gelb geringelte Zehen
  • Bauch gelb oder orange mit sehr individuellem schwarzem Bauchfleckenmuster
  • Wassertracht der Weibchen mit niedrigem Schwanzflossensaum, relativ kleiner, heller Kloake und oranger Bauchfärbung, die sich über die Kloake auf der Schwanzunterseite fortsetzt
  • Wassertracht der Männchen während Paarungszeit mit stark gezacktem Hautkamm auf Rücken und Schwanz (wichtig für Paarungserfolg), der an der Schwanzwurzel unterbrochen ist im Ggs. zu Teichmolch, ferner „Milchstreifen“ an den Schwanzseiten, stärker gewölbte, schwarze Kloake sowie schwarz gefärbter Schwanzunterseite
  • unscheinbare Landtracht ab Spätsommer, Rückbildung der Wassertracht und des Kamms, besonders bei Männchen
  • Verwechslung mit Bergmolch (T. alpestris) mit ungefleckter Bauchunterseite oder Teichmolch (T. vulgaris) mit gestreiftem Kopf möglich

Kammmolch ♂ in Wassertracht (Foto Fred Schüttler)

Biologie, Vermehrung und Phänologie
  • nachtaktiv, während Paarungszeit auch tagaktiv
  • carnivore Ernährung: Adulte: Würmer, Schnecken, Kaulquappen; Larven: Wasserflöhe, Hüpferlinge, Mückenlarven
  • Feinde: Fische, andere Molche (auch Kamm­molche), Gelbrandkäfer, Großlibellenlarven, Greifvögel, Störche, Reiher, Raubsäuger, Ringelnatter
  • im März verlassen Adulte nachts die meist terrestrischen Winterquartiere und wandern zu Fortpflanzungsgewässern
  • Laichzeit in Mitteleuropa April bis Anfang Juni
  • Laichgesellschaften in Optimalhabitaten aus mehreren hundert Adulten
  • Männchen übergibt Spermatophore an Weibchen
  • Weibchen legt meist 200 – 300 Eier einzeln mit Hilfe der Hinterbeine in gefaltete Blätter von Wasserpflanzen, meist Flutender Schwaden
  • gelbliche Eier 2 mm Ø anders als Eier anderer Arten
  • Embryonalentwicklung dauert 15 - 30 Tage
  • Larvalentwicklung in 4 Monaten von 10 mm auf 8 cm
  • Kammmolchlarven größer als die anderen Arten
  • mit 15 - 16 sichtbaren Rippenfurchen
  • Larven mit langen dünnen Zehen
  • langer zugespitzter Schwanz am Rand dunkel gefleckt und breit gesäumt
  • Kammmolchlarven mehr im Freiwasser, Bergmolchlarven am Gewässerboden
  • bei Molchen entstehen zunächst vordere Glied­maßen, bei Kaulquappen erst Hinterbeine
  • Molchlarven mit äußeren Kiemen im Ggs. zu Kaulquappen
  • ab Mitte August gehen Jungtiere an Land
  • subadulte Exemplare überwintern auch in Gewässern
  • Geschlechtsreife nach 2 - 3 Jahren, gelegentlich bereits im Larvenstadium (Neotenie)
  • Adulte verlassen ab Ende Juli Laichgewässer
  • ab Oktober Aufsuchen der Winterquartiere an Land oder im Laichgewässer
  • zwischen Juli und Oktober bis 60 m, Winterquar­tiere bis 1.000 m vom Laichgewässer entfernt, meist jedoch nur wenige 100 m
Lebensraum
  • Laichgewässer meist dauerhaft wasserführende, ablassbare, fischfreie Kleinweiher und Teiche auf lehmigen, seltener sandigen Böden
  • größer 100 m², Tiefe 50 - 100 cm
  • leicht nährstoffreich (eutroph)
  • täglich mehrere Stunden besonnt
  • mit gut entwickelter Röhricht- und Unterwasservegetation, 20 - 40% Freiwasserzone und < 80% Bedeckung mit Schwimmblattpflanzen
  • am Waldrand oder auf Lichtungen
  • Abwesenheit von Fischen, Wasservögeln und Fröschen günstig
  • Vergesellschaftungen, da Habitate auch von anderen Lurcharten bewohnt werden
  • im Umfeld der Laichgewässer (wenige 100 m entfernt) reich strukturierte Landlebensräume, z. B. lichte Laub- und Mischwälder, mit Feldgehölzen durchsetztes Grünland, Niedermoore, extensives Feuchtgrünland, Extensivviehweiden, Brachen, Saumbiotope wie Uferrandstreifen, Hecken, Gärten, Gebüsche, aufgelassene Kies-, Ton- und Sandgruben
  • ursprünglich in Auenlandschaften der großen Flüsse
  • Tagesverstecke und Winterquartiere: unter Steinen, liegendem Totholz, Teichfolie, Brettern, in Büschen, Steinhaufen, Wurzelstöcken, Kleinsäugerbauten, Erdhöhlen, Mauerwerk, Bahndämmen, etc.
Schutzstatus
  • Rote Liste Bayern 2 (stark gefährdet)
  • FFH-Richtlinie Anhang II und IV
  • streng geschützt nach § 44 BNatSchG
Gefährdungsfaktoren
  • Mangel an Laichgewässern
  • Intensivierung der Landwirtschaft
  • Bautätigkeit, Straßenverkehr
  • Fragmentierung und Isolation der Lebensräume
  • intensive Teichwirtschaft mit hohem Fischbesatz
  • Verfüllung, Verlandung, Trockenfallen, Verbuschung der Laichgewässer, Beschattung (>75% ungünstig)
  • Nutzung als Badegewässer
  • illegale Entnahme für Aquarien
  • Pestizide (bes. bei spät wandernden Arten wie Kammmolche)
  • neuerdings Gefährdung der Schwanzlurchbestände im Unterallgäu durch den Salamenderfresser-Pilz (Batrachochytrium salamandrivorans)
Schutzmaßnahmen
  • Entlandung und Auflichtung der Laichgewässer
  • Entfernen von Fischen, Pflanzen von Wasservegetation
  • Einrichten von Pufferstreifen, Wanderkorridoren, Vernetzung der Lebensräume (Biotopverbunde)
  • Verringerung von Schad- und Nährstoffeinträgen

Hier gibt's Videos zu Wasser- und Landtracht von Molchen, ihrer Fortpflanzung, Larvalentwicklung und Lebensweise aus Sicht eines Kammmolchweibchens und ihres Männchens